Gedichte und eine Kurzgeschichte..

Kurzgeschichte

 

Es war einmal…

 

Es waren einmal ein Du und ein Ich, wobei das Du mehr über das Ich wusste, als das Ich vom Du.

Trotzdem sagten sich die beiden eines Tages: "Du? Ich finde, wir passen gut zusammen, du und ich. Was wollen wir machen?" Sie beschlossen, sich zu einem Wir zu vereinigen. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Wir küssten uns. Wir sahen uns an. Ich und Du gab es nicht mehr. Wir gingen gemeinsam durch die Städte, die Du und Ich für das Zuhause hielten. Zwei Menschen, zwei Seelen, eine Einheit. An verschiedenen Orten und doch beisammen, in Gedanken und im Herzen beieinander. Es sollte niemals enden, das sagten sie sich. Aber wie das nun mal so ist, Zeit vergeht, Dinge passieren. Gefühle vergehen. Wie können Herzen aufhören, füreinander zu schlagen?

In dem Falle der beiden hier war es das Du, dass das Wir nicht mehr wollte. Und das Ich im Regen stehen ließ. Gemeinsam weinten das Du und das Ich, das Ich nahm das Du in den Arm, wenn es wieder anfing zu weinen. Sollte nicht eigentlich das Du das Ich trösten? Immerhin wollte das Du, dass aus dem Wir wieder ein Ich und ein Du wird. Wenn das Du darüber weint, warum sagt es nicht einfach zum Ich: "Hey, Ich, wollen wir nicht doch wieder zum Wir werden?" Aber nein, so läuft das nicht.

Das Du trennt sein Herz langsam vom Ich ab. Auch wenn es dem Ich wehtut, es schreit und das Du festhält, damit es nicht weiter ziehen kann. Dem Ich fällt auf, wie wenig es vom Du gewusst hat. Es will mehr erfahren, vielleicht irgendwas retten. Das Ich stellt dem Du Fragen und bekommt nur halbherzige Antworten. Das Du fragt sich: "Warum will das Ich das wissen?" Aber das Du fragt nicht.

Nachdem aus dem Wir wieder gänzlich ein Ich und ein Du geworden ist, treffen sich die beiden trotzdem. Und bei jedem Treffen vereinen sich das Ich und das Du wieder ein klein wenig zum Wir. Und nach jedem Treffen kratzt das Du sein Stück Herz von dem Ich weg. Wunden reißen auf, aber Balsam wird darüber gestrichen. Dem Ich geht es gut, auch wenn es weiß, dass es kein Wir mehr gibt. Denn auf Ihre Weise haben das Ich und das Du doch noch das Wir, dass sie verbindet...

 

Gedichte

 

Stille

 

Stille,

ich beweg mich nicht…

Stille,

hier - ich spüre dich…

Stille,

unsere Schatten verändern sich,

umspielen mich,

Vereinen sich – ewiglich…

Hörst du nicht die Nacht?

Die leise uns einschließt?

Gefangen in Dunkelheit,

gefangen von Liebe,

In Stille gefesselt…

Die Lippen berühren sich…

Stille,

ich vergesse dich nicht…

Stille,

Gedanken übermannen mich,

Ein Rufen meiner Seele,

gegen die Nacht,

gegen die Stille..

Unsre Herzen brauchen sich,

Dein Kuss, so süß, der rettet mich…

Stille,

Hände halten mich…

Stille sagt

Ich liebe dich…

 

Mein leerer Kopf

 

In mir drin nur Stille,

die vibiert.

Alle Gedanken sind nichtig und klein.

Warum kann ich jetzt nicht bei dir sein?

Eine Stimme flüstert,

ganz leise.

Kommt das von dir?

Was willst du noch von mir?

Du tantzt in meinem Kopf herum,

der leer ist.

Groß, leer und einsam,

ausser wir sind gemeinsam

bei mir oder bei dir.

In deinem oder meinem Kopf.

Du spazierst durch meine Gedanken,

doch ich weis dich in die Schranken.

Versuch,

dich zu verscheuchen,

zu vertreiben.

Du wolltest immer bei mir bleiben.

Was ist nun?

Du bist fort,

mein Kopf wird ein leerer Ort.

In dem nur eine kleine Gestalt,

nur du,

herum geht,

herum steht,

wütet, weint und lacht.

Was hast du dir dabei gedacht?

Mich hier einfach allein zu lassen?

Kann nur noch mich selber hassen.

Es ist alles meine Schuld,

und du hattest zu viel Geduld.

Wärst du eher gegangen,

hätten sie dich nicht gefangen,

hätten sie dich nicht gekriegt

und uns're Liebe hätte gesiegt.

Dann wär ich endlich wieder frei,

mein Kopf wär voll,

ich wäre froh.

Liebster, ich vermiss dich so!

 

Die Verwandlung


Meine Tränen fallen,

schweben,

leicht wie Federn,

erreichen die Erde.

Verwandeln sich in ein Meer,

aus Kummer und Schmerz.

Verwandeln sich in Vögel,

fliegen davon

und nehmen meine Sorgen mit.

Verwandeln sich in Tintenwörter

und erscheinen in einem Brief an dich...

Was machst du aus meinen Tränen...?